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  Schnabel  
 

Kein Quilt mehr zum Welt-AIDS-Tag?

 Wissen will wissenschaftlich erforscht und mit dem Etikett einer Universität versehen sein. 3 Beispiele jüngerer Publikationen: Von Armut in der Schweiz sind vorwiegend Menschen mir schlechter beruflicher Qualifikation, insbesondere alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern und alte Menschen betroffen, sagen Studien alle paar Jahre und immer wieder. Der Klimawandel seinerseits hat mit dem hohen CO2  Ausstoss auf unserem Planeten zu tun und wird somit erwiesenermassen durch menschliches Verhalten verursacht, stellte der letzte UNO Klimabericht unzweifelhaft fest.
Und Arbeitslosigkeit betrifft in erster Linie Arbeitskräfte ohne Berufsausbildung mit mangelnden Sprachkenntnissen und über 50 Jährige. Auch dies erklärt uns die Wissenschaft mit Regelmässigkeit nach eingehender Prüfung. 3 Tatsachen, die wohl für alle Zeitgenossen mit durchschnittlichem IQ und wachen Augen offensichtlich sind, weshalb die wissenschaftliche Publikation darüber doch eher mässigen Neuigkeitswert hat und für die Betroffenen selbst gar eine hanebüchene Provokation darstellt. Daneben gibt es andere Erkenntnisse, die wenig beachtet als Randnotizen in den Blättern stehen, obwohl sie uns in hohem Mass beunruhigen müssten, weil sie viele, sehr viele Menschen betreffen. So stellte das Forschungsinstitut gfs.bern neulich in einer repräsentativen Umfrage fest, dass 64% der Schweizer Bevölkerung von der Problematik der Antibiotika Resistenz gehört haben und sogar 85% unnötige oder falsche Einnahme als Ursache erkennen, wenn ihnen der Begriff erklärt wird.
Gleichzeitig ist aber die Sorge über diese Entwicklung gegenüber früheren Umfragewerten gesunken, der Anteil der Gleichgültigen hat sich sogar fast verdoppelt. 11% gaben an, Antibiotika falsch eingenommen zu haben, 4 Jahre zuvor waren es 4%. Grund für diese Tatsache ist das grenzenlose Vertrauen in die moderne Medizin. 59% der Befragten glauben nämlich, dank immer neuer Behandlungsmethoden hätte der Mensch das Problem im Griff. Fachleute aber befürchten genau das Gegenteil. Die Antibiotika Resistenz werde in Europa immer mehr Todesopfer fordern. Allein in der Schweiz sind dies zurzeit 80 Menschenleben pro Jahr. Bekannt?  
Das Problem muss uns ganz besonders zum Welt-AIDS-Tag zu denken geben. Eine ähnliche Entwicklung stellt sich nämlich auch bei den AIDS-Medikamenten ein. Zunehmende Sorglosigkeit zum einen, immer mehr PatientInnen, die gegen diese Therapien resistent sind zum anderen. Derzeit sind es bereits mehr als 10%.
Zwar wurden in den letzten zehn Jahren mehr als 20 Medikamente entwickelt. Aber auch hier hat die Kreativität der Pharmaindustrie ihre Grenzen. Müssen wir schon in wenigen Jahren  wieder die Quilts verstorbener Menschen zum Welt-AIDS-Tag auf die Plätze tragen? 

Die AIDS-Hilfe TG/SH will diesem Trend zum Verdrängen mit Bewusstseinsbildung entgegentreten. Die breite Öffentlichkeit muss zur Kenntnis nehmen, dass Resistenz ein ernsthaftes Problem ist. Darum war der Stand der AIDS-Hilfe an der Schaffhau-ser  Herbstmesse diesem Thema gewidmet. Und darum planen wir eine weitere Aktion zum Welt-AIDS-Tag abends für das Ausgangsvolk. Ein Drink mit „Pariser-Röhrli“ und Tischkärtchen werden das Publikum auf den besonderen Tag und das Resistenzproblem aufmerksam machen. Motto: „Medikamente sind keine Lebensversicherung – das Kondom dagegen schon.“ Oder wie wärs mit unserem Arbeitstitel: „Lieber ein Kondom vorher als ein Quilt danach“?

                                                                    Iren Eichenberger    

                                                                    Leiterin der AIDS-Fachstelle Schaffhausen

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Unser Stand an der WEGA in Weinfelden im Herzen des Thurgaus

 Wie es dazu kam:
Bereits im Frühling erhielten wir einen Anruf eines Mitglieds des Organisationskomitees der WEGA Weinfelden. Er wollte uns wieder einmal für die Thurgauer-Messe gewinnen. Unser letzter Auftritt an der WEGA liegt schon mehrere Jahre zurück. Seinen Vorschlag, unseren Standplatz zusammen mit der HOT Thurgau zu organisieren, fanden wir auf Anhieb eine spannende und gute Idee.
Wir begannen also gemeinsam zu planen, wobei uns auch einige unserer freiwilligen Mitarbeiter mit ihrer Anwesenheit und ihren Ideen an den vereinbarten Sitzungen unterstützten.
Die Vorbereitungsarbeiten liefen wunderbar Hand in Hand, und zum geplanten  Aufbau-Termin, war alles Nötige an Ort und Stelle, so dass mit dem Einrichten, Aufhängen, Verkabeln und Dekorieren begonnen werden konnte. Unser Stand wurde zu einem farbigen und überschaubaren Blickfang.
Während der 5 Tage an der WEGA betreute eine Crew aus freiwilligen und festangestellten Mitarbeitern unsere verschiedenen Angebote.
Unser Stand wurde rege frequentiert, dies vor allem von Jugendlichen. Lockender Blickfang waren bestimmt zum grössten Teil unsere Computer mit installierten Spielen wie „Catch the Sperm“ und „Cheque your Love Life“. Die vorwiegend jugendlichen Spieler wetteiferten um die höchste Punktezahl und der Tagessieger erhielt jeweils einen Preis, in Form eines Mouse-Pats oder eines Büchergutscheins, je nachdem, ob sie für uns spielten oder für die HOT. Des Öfteren bildeten sich mehrere grosse Menschentrauben um die Computer, die Jugendlichen feuerten sich gegenseitig richtig an, und dieses frohe Treiben lockte auch immer wieder andere Schaulustige und Interessierte an. Zu den unterschiedlich aufkommenden Themen der Sexualpädagogik hatten die jungen Frauen und Männer viele gezielte Fragen. Diese zu beantworten waren wir gerne bereit und hielten dazu auch verschiedenes Anschauungsmaterial bereit, wie Broschüren, Bücher, den Verhütungskoffer, Kondome und eine Kondomausstellung, ausgeliehen von der Condomeria ZH, mit allen möglichen Kondomen aus früheren Zeiten und der Neuzeit.
Ferner hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, an einem von uns eingerichteten Spieltisch das sexualpädagogische Spiel „TabuDu“ zu spielen. Auch dieses Angebot wurde rege benutzt. Die Jugendlichen hatten die Wahl das Spiel unter sich zu spielen, uns bei offenen Fragen hinzuzuziehen oder uns als Spielleiter mit einzubeziehen.
Während der 5 WEGA-Tage entstanden sehr viele interessante Gespräche. Einmal mehr wurde uns allen bewusst wie wichtig diese verschiedenen Themen der Sexualpädagogik für die Jugendlichen sind, wie viele Fragen und Unsicherheiten dazu vorhanden sind, und dass sie im Alltag kaum Gelegenheit bekommen sich altersgerecht darüber zu informieren oder respektvolle Antworten darauf zu bekommen.
Interessante Kontakte und Gespräche bildeten sich auch mit erwachsenen Messebesuchern, unter anderem mit Eltern oder Lehrpersonen. Unser Anliegen bestand ferner auch darin einer breiten Öffentlichkeit unsere unterschiedlichsten  Angebote der Fachstelle vorzustellen. Zum Beispiel die Themen HIV/Aids, die dazugehörende Solidarität, unser Testangebot und vieles mehr.
Auch wenn der Aufwand für uns gross war, der Auftritt an der WEGA hat sich sowohl für uns wie auch für die HOT mehr als gelohnt. 

Folgende Feedbacks sind bei der HOT eingegangen und die möchte ich euch nicht vorenthalten: 

"Ich möchte Euch zum Mut gratulieren, den ihr mit der Standaktion an der WEGA aufgebracht habt. Ich hoffe sehr, dass ihr Eure Ziele erreicht habt und ich danke Euch, dass ihr Euch auch für mich eingesetzt habt!" 

"Ich finde es wirklich bedauerlich, dass so eine Aktion heutzutage noch nötig ist."

Folgende Aussagen sind von Helfern die selber am Stand waren:
"Es hat mich sehr gefreut, dass ich an der WEGA für die HOT präsent
sein durfte. Der gemeinsame Stand mit der AIDS-Hilfe
Thurgau/Schaffhausen war eine super Idee. " 

"Wenn es ein nächstes Mal gibt, so werde ich mir wohl zuvor eine Fliegenklatsche für die Kids, die mehrmals in den Topf mit den Präservativen langten, besorgen." 

"Auch wenn wir nicht so viele Direktkontakte herstellen konnten,so war die Wirkung unserer Präsenz "Hey, es gibt sie noch" ,vorhanden." 

"Die Erwachsenen hatten meist Skrupel an unseren Stand zu kommen. Aber möge der Aufruf "Du sollst Dich schützen" wieder in Erinnerung gekommen sein."

 Annika Schiesser

Stellenleiterin Thurgau

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1. Nationales Treffen der SchulsprecherInnen

 Am 2. Oktober 2007 fand das 1. Nationale Treffen  der Schulsprecherinnen und Schulsprecher in Bern statt. Am Morgen waren vorwiegend HIV betroffene Personen anwesend. Die meisten arbeiten schon seit Jahren in den verschiedenen Schulprojekten mit. Einige davon kennen sich schon seit Jahren.
Im Vortrag „HIV/AIDS – Heute“ informierte uns Lukas Meyer, Mitarbeiter der AHS, über die neusten Zahlen und Fakten zu HIV/Aids.
Einiges daraus, was für uns in der Arbeit mit Jugendlichen in den verschiedenen Schulen wichtig erscheint: 

Was ist für Jugendliche wichtig zu wissen?
Ein Viertel bis ein Drittel der Neudiagnostizierten sind Jugendliche und junge Erwachsene, weil das Risiko in festen Partnerschaften massiv unterschätzt wird. Der Glaube an das Treue-Versprechen, die stillschweigenden Erwartungen, das gegenseitige Vertrauen oder das sich nicht Getrauen ein Kondom zu verlangen, können zu einer  Ansteckung führen! Deshalb sind folgende Punkte wichtig:

  • Bei neuen Bekanntschaften immer ein Kondom! (Auch wenn anders verhütet wird)
  • Ausgehandelte Sicherheit:

- explizite Vereinbarung – nicht stillschweigende Erwartungen
     - drei Monate Safer Sex!
     - gemeinsamer Test!
     - bei Aussenkontakten in der Paarbeziehung immer mit Kondom!
     - bei Pannen: Information des Partners, der Partnerin!

Die Rolle der Primoinfektion für die Übertragung
Am höchsten ist die Übertragungsrate in der Primoinfektion!
Was ist die Primoinfektion? Wenn sich eine Person neu ansteckt, davon allerdings nichts weiss und nichts davon ahnt (da die typischen grippeähnlichen Symptome nach einer Neuansteckung nicht bei jeder Person auftreten!), ist er/sie in den ersten Wochen nach der Ansteckung höchst ansteckend! Dies deshalb, weil sich in den ersten Wochen nach einer Ansteckung die HI-Viren in einem rasanten Tempo vermehren. Der Körper allerdings erst mit einer Verzögerung beginnt  Antikörper auf das HI-Virus zu produzieren.

30% bis 50% der aktuellen HIV-Übertragungen geschehen während der Primoinfektionszeit eines Partners, einer Partnerin! 

Lukas Meyer informierte uns in seinem Vortrag auch über die sexuell übertragbaren Krankheiten. In der Swiss Aids News Ausgabe vom 4.August 2007 wird beschrieben, dass eine Zunahme der STI (Sexually Transmitted Infektion) sexuell übertragbaren Krankheiten erkennbar ist.
Personen, welche mit einer STI (Gonorrhö, Syphilis, Chlamydien oder Hepatitis C) infiziert sind, sind anfälliger auf HIV.
Eine HIV-positive Person demgegenüber ist anfälliger auf eine STI-Erkrankung, und die Behandlung wird dadurch auch problematischer.
Nach dem interessanten Vortrag widmeten wir uns für die restliche Zeit dieses Morgens unseren verschiedenen Schulprojekten. In den Workshops versuchten wir diese zu durchleuchteten. Wir wurden gebeten folgende Fragen zu überdenken:  

  • Was sind meine persönlichen Stärken?
  • Was sind die Stärken meines Projektes?
  • Was ist unsere Botschaft? 
  • Was wollen wir bewirken?

Es gab einen regen Austausch zu den unterschiedlichen Projekten. Themen wie die Länge einer Veranstaltung, die Häufigkeit, die Kosten, ob eine oder zwei Personen anwesend sind, dies zusammen mit einer Fachperson oder mit einer Lehrperson, mit dazugehörender Vorbereitung oder Nachbearbeitung, mit regelmässigen Sitzungen oder Supervisionen in der Gruppen, wann sind die  persönlichen Grenzen spürbar, bietet man seine Arbeit über die Kantonsgrenze hinweg an , wie viel medizinisches Wissen fliesst ein und was genau ist unser Auftrag, was genau beinhaltet er, etc.

Thurgau und Aargau sind die einzigen Kantone, die ein klares und umfassendes Konzept, ein Gesamtpaket haben. Dies Unterrichtseinheit beginnt mit einem Einstiegsspiel, weiter geht es mit dem Vortrag, in dem  Wissensvermittlung Priorität hat, dann werden kurze Theatersequenzen von den Schülern geprobt und vorgeführt, mit der interessanten  Lebensgeschichte eines Betroffenen und danach mit einem Ausstiegsspiel wird die Unterrichtseinheit abgerundet. Die Schüler haben während den ganzen 2 Stunden die Gelegenheit Fragen zu stellen.
In der Gesprächsrunde gab es bei folgenden Punkten Einigkeit:  

  • Zu zweit einen Einsatz bestreiten ist besser als alleine
  • 2 Einsätze am Tag sind genug
  • Trennung von Fachwissen und persönlichen Erfahrungen ist erwünscht

Erschreckend war für mich in der Runde zu erfahren, dass oft versucht wird Personen von einer Ansteckung abzuhalten, indem man versucht Betroffenheit auszulösen. Unser Ziel von „fairbag“ ist es primär aufzuzeigen, wie kann ich mich verhalten ohne Risiken einzugehen, und was kann ich tun wenn doch etwas passiert ist.
Am Nachmittag stiessen dann noch die Fachverantwortlichen der verschiedenen Aidshilfen zu uns. In einem weiteren Workshop mit anschliessender Runde im ganzen Plenum wurde unsere Arbeit vom Morgen noch einmal vertieft und von verschiedenen Seiten beleuchtet.
Es war alles in allem ein sehr interessanter Tag. Man hatte die Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen, neue Konzepte kennen zu lernen und wissenswertes zu erfahren.
Für mich ist es ganz klar in unserer Präventionsgruppe „fairbag“ so weiter zumachen. Es ist mir wichtig, den Jugendlichen mit den Präventionsbotschaften und meiner Geschichte die Augen zu öffnen und das Bewusstsein zu stärken, um sie von einem möglichen Fehlverhalten abzuhalten. Denn Unwissenheit schützt nicht! 

Schulsprecher und Mitbegründer der Gruppe „fairbag“

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  18.12.07 cs